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„Bricolages"
bespielt drei thurgauische Ausstellungsräume, die sich ganz
oder teilweise der Gegenwartskunst widmen: kunstraum Kreuzlingen,
Kunstmuseum des Kantons
Thurgau in Ittingen, shed im Eisenwerk Frauenfeld. In
einer Zeit, da die Technik allgegenwärtig ist, da das Überangebot
an Waren das Recycling zu einer Notwendigkeit macht und da
jeder in seiner Garage ein Kleinunternehmen aufbauen kann,
erscheint es uns interessant, abzuklären, was der Begriff
Bricolage (Basteleien) im zeitgenössischen künstlerischen
Umfeld bedeutet.
Der Begriff Bricolage hatte lange Zeit - zum Teil auch heute
noch - eine abschätzige Bedeutung. Er wurde angewendet, um
eine improvisierte, schlecht und recht gemachte Arbeit zu
bezeichnen. Erst Claude Lévi-Strauss verlieh ihm in seinem
Buch „La pensée sauvage" (1962) einen neuen Glanz. Und in
Verfolgung dieser Analyse interessiert uns der Begriff Bricolage.
Das Bild des Bastlers, der seine Tätigkeit ausübt aufgrund
einer Praxis, die er selbst entwickelt hat, steht dem Bild
des Ingenieurs gegenüber, dessen Aktionsfeld auf theoretischem
Wissen basiert. Der Künstler ist für Claude Lévi-Strauss Gelehrter
und Bastler in einem: Mit handwerklichen Mitteln schafft er
ein sinnliches Objekt, das gleichzeitig ein Objekt der Erkenntnis
ist.
Heute verfügt der Mensch nicht nur über zunehmend viel Freizeit,
sondern auch über die vielfältigsten Werkzeuge und Technologien
für den individuellen Gebrauch. Die Grenzen zwischen Beruf
und Hobby verwischen sich in Bezug auf Arbeitszeit, auf Verfügbarkeit
von Material, auf Geschicklichkeit. Das „do it yourself" ist
ein Unternehmensgeist, der zu Aktivitäten motiviert, die jedermann
zu hause entwickeln kann (start up, home studio). Diese Faktoren
verlangen und fördern gleichzeitig eine vielfältige Kompetenz
in der Beherrschung von Instrumenten und Techniken.
Parallel zu dieser Entwicklung wurde das Recycling aller Arten
von Materialien eine ökologische und ökonomische Notwendigkeit.
Der Prozess, der darin besteht, „aus Altem Neues zu machen"
bedingt, gerade auf dem Gebiet der plastischen Künste, sowohl
eine Liebe zum Material, als auch technische Kenntnisse und
einen ästhetischen Erfindungsgeist, kurz einen kreativen Willen.
Wir versuchen, aufzuzeigen, dass aus unserer Sicht Bricolage
eine Geisteshaltung ist. Eine Geisteshaltung, die uns veranlasst,
zu probieren, zu erforschen, zu improvisieren und auch zu
erfinden. Eine geistige Einstellung also, die nicht auf einer
Praxis des „beinahe" hinausläuft, sondern im Gegenteil auf
die Erarbeitung von Fähigkeiten, mit denen ein Individuum
sein einzigartiges, persönliches Universum erstellen kann.
Die Künstler, die wir ausgewählt haben, konstruieren, dekonstruieren,
verformen Bilder, Objekte, Strukturen und entwickeln Überlegungen
auf allen möglichen Gebieten: von der Wohnung zu „condition
humaine", von der Musik zum Spiel, vom menschlichen Körper
zur Umwelt. Jeder praktiziert nach seiner Methode eine Art
Bricolage, die wir als persönliche Technologie bezeichnen
können.
Die Mehrzahl der Künstler/innen dieser Ausstellung leben in
der Romandie oder in Frankreich. Damit erhält der Nord-Osten
der Schweiz, eine Region die eher auf das deutsche und angelsächsische
Kunstgeschehen ausgerichtet ist, Gelegenheit, einen Blick
auf die francophone Kunst zu werfen. Sicher sind der Begriff
und die Praxis des Bricolage nicht ausschliesslich francophone,
aber es erschien uns angebracht, daran zu erinnern, dass neben
der üblichen Vorstellung, nach der die francophonen Künstler/innen
hauptsächlich intellektuelle, formalistische und Text-Werke
schaffen, doch viele von ihnen ausgesprochene „Bricoleurs",
also Bastler sind.
Jean-Paul Felley & Olivier Kaeser
(Übersetzung Ted Egloff)
Mit Freundlicher Unterstützung von:
Pro Helvetia
AFAA, Association Française d'action artistique
Ambasade de France en Suisse
Ville de Genève
Stadt Kreuzlingen
Kanton Thurgau Lotteriefonds
Thurgauer Zeitung
Schweizerischer Kunstverein - échanges
Videocompany Zofingen
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Pierre
Bastien
Solokonzert mit Sound-Maschinen, die aus Meccano-Elementen
konstruiert sind, in einer Inszenierung, die auch Video-Projektionen
für die Vernissage im Kunstmuseum der Kartause Ittingen enthält,
sowie die Präsentation der CD-Rom "Neun optische Spielzeuge"
(2000), eine Bild-Ton-Installation, die man nach Belieben
verändern kann, realisiert mit Karel Doing.
Olivier
Blanckart
"Familyx" ist das Gruppenportrait einer gewöhnlichen armen
Familie. Diese bisher noch nie gezeigte Skulptur aus Klebeband
und Schaumstoff nach einer Fotografie von Walker Evans von
1936 aus dem Buch "Louons maintenant les grands hommes" wird
im Kunstraum Kreuzlingen installiert.
Cécile
Bonnet & Delphine Reist
Vergängliche
Konstruktionen von kleinen Hütten aus Sperrmüll im öffentlichen
Raum. Im Laufe der zu erwartenden Demontage dieser primitiven
Unterstände werden fotokopierte Fotografien an ihrer Stelle
hingeklebt als Beweis ihrer Existenz. Das Projekt wird im
Kunstraum Kreuzlingen dokumentiert und während eines Monats
täglich in der Neuen Thurgauer Zeitung annonciert.
Malachi
Farrell
Koordiniert durch einen Bewegungsmelder und einen Ordinator
inszeniert die Installation "Fish Flag Mourant (Black Kettle)"
(1998) um ein Wasserbecken herum ein makabres Ballett von
metallischen Gliederfischen, das energisch und unverblümt
die allgemeine Verschmutzung der Umwelt anklagt. Sie ist im
Kunstmuseum der Kartause Ittingen ausgestellt.
Hervé
Graumann
Ausgehend von Fotografien der Kartause Ittingen werden Video
3D-Filme computergeneriert für das Kunstmuseum und eigens
ein Bildschirmschoner (screen saver) konzipiert für seine
Website www.kunstmuseum.ch. aufgrund des Inventars der Museumssammlung.
Vincent
Julliard
Performance für die Vernissage im Kunstraum Kreuzlingen, anschliessend
Präsentation der Video-Installation "Théâtre ORL" (1998-99),
wo der Artist als Bühne seiner Arbeit erscheint. Das Innere
seines Mundes wird die Szene eines possenhaften Schauspiels,
wo seltsame Figuren aus den Himmeln herabsteigen oder aus
Rauch und Nebel aufsteigens.
Kressig
AG
Die Improvisationen in situ werden mit heterogenen Objekten
in länglichen Räumen aufgebaut, nämlich " N 47° 33' 40" -
E 8° 53' 38" " in den zwei Zimmern des Projektraum des Shed
im Eisenwerk - Frauenfeld, und " N 47° 35' 04" - E 8° 52'
00" " in einem Aussenhof des Kunstmuseum der Kartause Ittingen.
Le
Gentil Garçon
"Der Spezialist der Abteilung Gartenbau, erster Kontakt. -
Guten Tag, ich hätte gerne eine Auskunft über Wasserpumpen,
bitte. - Ja sicher, folgen Sie mir. Das wäre zu welchem Zweck?
- Oh, das ist etwas Spezielles, tatsächlich für eine Ausstellung,
eigentlich für eine Art Skupltur... - Oh nein, Sie müssen
ja nicht glauben, dass ich mein ganzes Leben hier in diesem
Laden verbringe! Ich gehe hie und da auch in Museen und verstehe
sehr gut die Art von Arbeit, die Sie machen wollen." (LGG).
Mathieu
Mercier
Im Eingangsbereich des Kunstraum Kreuzlingen dient eine aus
Modulen erbaute Konstruktion als Mobiliar für den Empfang
der Besucher, für die Vorführung der Dokumentation und für
Videos auf Monitoren. Daneben begleitet ein elektrisches Modul
den Entwurf eines umfunktionierten Hauses, ein neuerfundene
Lagerpalette oder auch ein Schema, das die Freizeitaktivitäten
kategorisiertr.
Hugues
Reip
Eine Installation, die eigens für eine Mönchszelle der Kartause
Ittingen eingerichtet wird, bestehend aus einem Tonband "...knock,
knock, knocking on heaven's door..." von Bob Dylan a cappella-gesungen
durch SPLITI (Hugues Reip und Jacques Julien), sowie einer
Videoprojektion, wo man den Schatten des Künstlers sieht,
wie er eine Türe eintritt. Beilage in der Neuen Thurgauer
Zeitung.
Joachim
Mogarra
Accrochage im Kunstmuseum der Kartause Ittingen einer Auswahl
von schwarz/weiss-Fotografien: die komplette Serie "sans titre
(J'ai acheté une voiture)" (1981) ; zehn "Images du monde"
(1983-85), und drei "Lieux de la foi" (1986)
Pierrick Sorin
Video-Installation im Kunstraum Kreuzlingen "Pierrick coupe
du bois" (1997), bestehend aus zwei Monitoren und einem Spiegel
in einer Konstruktion. Man sieht darin wie Pierrick ein Brett
durchsägt, das er zwischen seine Beinen hält. Ein Helfer,
der das andere Ende des Brettes hält, filmt die Szene. Das
Gesicht von Pierrick ist geprägt von Leid und Lust, provoziert
durch die Vibrationen des Bretts.
Cyril
Verrier
Die
Serie "Les casques" (2000-2001) in verschiedenen Stadien ihrer
Realisation: Zeichnungen, Gussformen, Modelle und farbige
Helme, ausgeführt hauptsächlich in Glasfiber und Silikon.
Auf einem Monitor Auswahl von neueren Videos, im Kunstraum
Kreuzlingen. Die Serie "Les casques" (2000-2001) kann unter
anderem realisiert werden dank einer Unterstützung durch den
Kanton Genf.
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